Bautagebuch-App: worauf es bei der Auswahl ankommt
Veröffentlicht:
Von Erkam Demirci
Acht Punkte entscheiden, ob eine Bautagebuch-App auf einer kleinen Baustelle taugt: Sie muss ohne Netz funktionieren, einen Tageseintrag in unter einer Minute zulassen, Fotos direkt am Eintrag halten, Behinderungen mit Uhrzeit und Folge erfassen, einen fertigen PDF-Bericht ausgeben, die Daten exportierbar halten, ohne Schulung bedienbar sein — und ein Preismodell haben, das nicht pro Kopf und Monat rechnet. Der letzte Punkt ist bei Betrieben mit ein bis fünf Leuten meistens der teuerste: Bei 15 bis 25 € je Nutzer und Monat (Listenpreise deutschsprachiger Anbieter, Stand August 2026) zahlt eine Kolonne mit vier Leuten 720 bis 1.200 € im Jahr für die Dokumentation.
Die meisten Vergleiche von Bautagebuch-Software sind für Bauleitungen geschrieben, die eine Abteilung ausstatten. Diese Seite ist für den umgekehrten Fall: Meisterbetrieb, Nachunternehmer oder selbstständige Bauleitung, ein bis fünf Leute, kein IT-Budget und keine Lust auf eine Einführungsschulung.
Sie enthält keine Rangliste. Anbieter, Funktionsumfänge und Preise ändern sich schneller, als eine solche Liste gepflegt wird, und eine, die nicht gepflegt wird, schadet mehr, als sie hilft. Stattdessen stehen hier die Prüfpunkte, mit denen Sie in zwanzig Minuten selbst entscheiden können — und der Hinweis, welche davon sich erst nach dem dritten Monat rächen.
Die acht Prüfpunkte
Die Reihenfolge ist absichtlich: Die ersten drei entscheiden, ob die App auf der Baustelle überhaupt benutzt wird. Alles Weitere entscheidet sich erst, wenn sie benutzt wird.
- Offline: funktioniert der komplette Eintrag ohne Empfang — inklusive Fotos?
- Tempo: steht ein vollständiger Tageseintrag in unter einer Minute?
- Fotos: hängen sie am Eintrag oder nur in der Galerie des Telefons?
- Behinderungen: gibt es ein eigenes Feld mit Uhrzeit, Ursache und Folge?
- Ausgabe: kommt ein fertiges PDF heraus, das der Auftraggeber annimmt?
- Export: kommen Sie an Ihre Daten heran, wenn Sie den Anbieter wechseln?
- Bedienung: kann ein neuer Mitarbeiter es ohne Schulung?
- Preis: rechnet der Anbieter pro Kopf und Monat — und was macht das im Jahr?
Offline ist kein Nice-to-have
Keller, Rohbau, Gewerbegebiet am Ortsrand: Der Ort, an dem der Eintrag entsteht, ist überdurchschnittlich oft der Ort mit dem schlechtesten Empfang. Eine App, die dort einen Ladebalken zeigt, wird abends im Auto oder gar nicht ausgefüllt — und ein Eintrag, der abends im Auto entsteht, verliert genau die Eigenschaft, wegen der er geführt wird.
Prüfen Sie das aktiv und nicht aus dem Datenblatt: Flugmodus an, einen kompletten Tag eintragen, drei Fotos dazu, PDF erzeugen. Was danach noch geht, geht auf der Baustelle. Achten Sie besonders auf Fotos — viele Apps sind offline schreibfähig, laden Bilder aber trotzdem sofort hoch und blockieren, bis das gelungen ist.
Unter einer Minute, oder es passiert nicht
Das Bautagebuch scheitert selten am Willen und fast immer an der Reibung. Fünf Minuten pro Tag klingen wenig; auf zwanzig Bautage im Monat sind es fast zwei Stunden, und sie fallen zu der Tageszeit an, zu der niemand mehr Lust auf Formulare hat.
Die Funktionen, die den Unterschied machen, sind unspektakulär: Wetter automatisch aus Datum und Ort, „Eintrag von gestern übernehmen“ als Startpunkt, die Kolonne als gespeicherte Liste statt als Freitext, und eine Erinnerung am frühen Abend. Fehlt das, tippen Sie jeden Tag dieselben Angaben neu.
- Wetter und Temperatur automatisch, nachträglich änderbar
- Vortag übernehmen und nur die Abweichungen anfassen
- Anwesende als Auswahl aus dem Stamm, mit Stunden je Person
- Erinnerung am Bautag, nicht am Wochenende
Fotos gehören an den Eintrag, nicht in die Galerie
Der häufigste Bruch in der Dokumentation kleiner Betriebe verläuft zwischen Text und Bild: Der Eintrag liegt in der App, die Fotos liegen im Telefon, und die Zuordnung existiert nur im Kopf. Nach zwei Jahren ist sie weg.
Eine brauchbare App nimmt das Foto aus dem Eintrag heraus auf und hängt es dort an — mit Datum, Uhrzeit und der Zuordnung zum Bautag. Ein Zeitstempel, der beim Auslösen ins Bild gebrannt wird, macht die Zuordnung zusätzlich nachprüfbar. Ein Beweis für sich ist er nicht, und wer Ihnen das verspricht, verkauft Ihnen etwas, das eine App nicht leisten kann.
Das Behinderungsfeld ist das teuerste Feld
Nach § 6 VOB/B ist eine Behinderung dem Auftraggeber unverzüglich schriftlich anzuzeigen, und die Anzeige lebt von den Fakten desselben Tages. Eine App ohne eigenes Feld dafür zwingt Sie, das in „Bemerkungen“ zu schreiben — wo es später niemand findet und wo die Angaben fehlen, auf die es ankommt.
Das Feld muss vier Dinge aufnehmen: Uhrzeit von und bis, Ursache und Verursacher, betroffene Leistung, und die Folge in Personen, Geräten und Terminen. Wer daraus auf Knopfdruck eine Behinderungsanzeige erzeugen kann, spart sich den Abend, an dem er das aus Erinnerung rekonstruiert.
Was hinten herauskommt
Der Auftraggeber bekommt kein Bildschirmfoto und keinen Link in ein Portal, für das er sich anmelden soll. Er bekommt ein PDF. Prüfen Sie vor dem Kauf, wie dieses PDF aussieht: Steht der Bautag im Kopf, sind Stunden je Person aufgeführt, sind die Fotos nummeriert und dem Eintrag zugeordnet, passt es auf A4 — und trägt es Ihr Logo oder das des Anbieters?
Ebenso wichtig: Können Sie einen Zeitraum ausgeben, nicht nur einen Tag? Bei Nachträgen und Bauzeitstreitigkeiten brauchen Sie sechs Wochen am Stück, nicht dreißig Einzeldateien.
Export ist die Versicherung gegen den Anbieter
Ihre Bautagebücher sind Nachweise, und Nachweise brauchen Sie unter Umständen Jahre nach dem Bauende — häufig länger, als Sie das Abo behalten wollen. Deshalb ist die entscheidende Frage nicht, wie gut die App heute ist, sondern was passiert, wenn Sie kündigen.
Zwei Antworten sind akzeptabel: Die Daten liegen ohnehin auf Ihrem Gerät, oder es gibt einen vollständigen Export in Formaten, die ohne die App lesbar bleiben (PDF für die Berichte, dazu die Bilddateien). Alles andere heißt: Sie mieten den Zugang zu Ihrer eigenen Dokumentation.
Was das Preismodell bei vier Leuten anrichtet
Bauleitungssoftware wird traditionell pro Nutzer und Monat verkauft, oft mit einer Mindestzahl an Lizenzen. Für einen Betrieb mit dreißig Leuten ist das eine Rechengröße.
Die Arithmetik, mit deutschsprachigen Listenpreisen von 15 bis 25 € je Nutzer und Monat (Stand August 2026): vier Leute kosten 720 bis 1.200 € im Jahr, allein für die Dokumentation.
Rechnen Sie deshalb nicht den Monatspreis, sondern den Jahrespreis für Ihre tatsächliche Kolonne, inklusive der Aushilfe im Sommer. Und prüfen Sie, ob es einen Festpreis für den ganzen Betrieb gibt: Das ist das Modell, bei dem am Ende alle eintragen — und ein Bautagebuch, das nur einer führt, ist genau so lückenhaft wie keines.
Papier, Tabelle oder App — und wann der Wechsel lohnt
Für einen einzelnen kleinen Auftrag reicht die Papiervorlage, und sie kostet nichts. Die Grenze kommt nicht beim Text, sondern bei Fotos und beim Wiederfinden: Sobald mehrere Baustellen parallel laufen oder jemand nach dem 14. März fragt, wird Suchen teurer als Erfassen.
Genau an dieser Stelle bauen wir Tenon Log: das Bautagebuch für kleine Kolonnen — Eintrag in unter einer Minute, Fotos und Wetter automatisch am Bautag, fertige Berichte als PDF, offline auf der Baustelle, mit einem Preis fürs ganze Team statt pro Kopf. Die App ist noch nicht erschienen; sie hat weder Bewertungen noch Nutzer, und diese Seite tut auch nicht so. Wenn die acht Punkte oben Ihre sind, tragen Sie sich in die Warteliste ein — wir melden uns zum Start.
Häufige Fragen
Brauche ich überhaupt eine App, oder reicht Papier?
Papier reicht, solange Sie eine Baustelle führen und die Fotos ohnehin nur selten brauchen. Die Vorlage auf dieser Website hat alle nötigen Felder und kostet nichts. Eng wird es bei mehreren Baustellen gleichzeitig, bei vielen Fotos und immer dann, wenn ein alter Bautag wiedergefunden werden muss — dort kippt der Aufwand vom Erfassen zum Suchen.
Was kostet eine Bautagebuch-App für vier Leute im Jahr?
Bei den üblichen Listenpreisen deutschsprachiger Anbieter von 15 bis 25 € je Nutzer und Monat (Stand August 2026) sind das 720 bis 1.200 € im Jahr. Manche Anbieter setzen zusätzlich eine Mindestzahl an Lizenzen an oder nennen den Preis erst auf Anfrage. Rechnen Sie immer den Jahrespreis für Ihre tatsächliche Kolonne, nicht den Monatspreis für einen Platz.
Ist ein digitales Bautagebuch rechtlich so viel wert wie ein handschriftliches?
Die Form ist grundsätzlich frei; es kommt auf Vollständigkeit, Zeitnähe und Nachvollziehbarkeit an, und ein digital geführtes Bautagebuch kann das ebenso erfüllen. Achten Sie darauf, dass nachträgliche Änderungen gekennzeichnet werden statt den ursprünglichen Text zu überschreiben. Was im Streitfall zählt, entscheidet der Einzelfall — das ist eine Frage für Ihre Anwältin, nicht für eine Produktseite.
Was ist mit den Daten, wenn ich das Abo kündige?
Das ist die Frage, die vor dem Kauf gehört und nach der Kündigung zu spät kommt. Verlangen Sie eine klare Antwort: vollständiger Export der Berichte als PDF plus der Bilddateien, oder Daten, die ohnehin lokal auf Ihrem Gerät liegen. Nachweise brauchen Sie oft Jahre nach dem Bauende.
Reicht es, wenn nur der Chef die App hat?
Technisch ja, praktisch selten. Wer nicht auf der Baustelle war, trägt aus zweiter Hand ein, und Fotos wandern dann doch über den Messenger — wo sie Metadaten und Zuordnung verlieren.
Diese Seite ist eine praktische Orientierung, kein Rechtsrat und ohne Gewähr. Preisangaben sind Listenpreise deutschsprachiger Anbieter zum Stand August 2026 und ändern sich; prüfen Sie sie vor einer Entscheidung selbst nach. Tenon Log ist in Entwicklung und nicht veröffentlicht. Maßgeblich sind Ihr Vertrag und der Einzelfall — im Zweifel hilft eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht.
Diese Seite als Klartext: Markdown-Spiegel.